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DAVID PARMLEY
Energie / Haushalt / Verträge / Markt
Wochenblatt
BLATT 211 / MARKT REDAKTION / 18.08.2026 / LESEZEIT 5 MIN

Was die Zahlen der Bundesnetzagentur für 2026 zeigen

Im März 2026 veröffentlichte die Bundesnetzagentur neue Daten zu Lieferantenwechseln. Vier Zahlen daraus werden häufig zitiert — und regelmässig falsch gelesen. Was sie belegen und was nicht.

Person betrachtet zuhause am Laptop eine allgemeine Statistikdarstellung
ABB. 1 / MARKT — SYMBOLBILD

Was die Behörde veröffentlicht hat

Die Bundesnetzagentur beobachtet als Regulierungsbehörde unter anderem, wie viele Haushalte ihren Strom- oder Gaslieferanten wechseln und wie sich die Preise für Neukunden entwickeln. Am 11. März 2026 legte sie dazu neue Daten vor. Der Kern der Auswertung: Ein Vergleich der Energiepreise kann sich finanziell lohnen.

Das ist eine vorsichtige Formulierung, und sie ist es aus gutem Grund. Die Behörde beschreibt einen Markt, keinen Einzelfall. Sie sagt, dass Unterschiede zwischen Tarifen existieren und wirtschaftlich relevant sein können — nicht, dass jeder Haushalt davon profitiert.

Die Wechselzahlen für 2025

Für das Jahr 2025 nennt die Bundesnetzagentur folgende Grössenordnungen:

Lieferantenwechsel privater Haushalte 2025 nach Angaben der Bundesnetzagentur
SparteWechselnde HaushalteGeschätzte Gesamtersparnis
Strom6,7 Mio.rund 280 Mio. €
Gas2,1 Mio.rund 126 Mio. €

Rechnerisch ergäbe sich daraus ein Mittelwert von etwa 42 Euro je Stromwechsel und rund 60 Euro je Gaswechsel. Diese Division ist allerdings genau die Art von Rechnung, vor der die Behörde implizit warnt: Die Gesamtersparnis ist eine Schätzgrösse über sehr unterschiedliche Haushalte hinweg — vom Einpersonenhaushalt mit 1.200 kWh bis zum Vierpersonenhaushalt mit 5.000 kWh, vom teuren Altvertrag bis zum bereits optimierten Tarif.

Die Modellpreise für Januar 2026

Neben den Wechselzahlen modelliert die Bundesnetzagentur Preise für Neukunden. Für Januar 2026 nennt sie:

Modellierte Neukundenpreise Januar 2026 und zugehörige Einsparpotenziale
SparteModellpreisVergleich zum VorjahrAnnahmeEinsparpotenzial
Strom34,9 ct/kWhrund −7 %3.500 kWhrund 95 €/Jahr
Gas9,6 ct/kWhrund −13 %20.000 kWhrund 360 €/Jahr

Der Unterschied zwischen 95 und 360 Euro erklärt sich weniger aus dem Preisniveau als aus der Verbrauchsmenge. 20.000 kWh Gas sind knapp das Sechsfache von 3.500 kWh Strom. Derselbe Cent Unterschied je Kilowattstunde wirkt beim Gas dadurch deutlich stärker — nachgerechnet im Blatt Wie sich ein Cent pro Kilowattstunde über ein Jahr summiert.

Wie ein Modellwert zu lesen ist

Ein Modellwert entsteht, indem eine Behörde eine typische Verbrauchsannahme trifft und mit verfügbaren Angeboten durchrechnet. Er beantwortet die Frage: Was ergäbe sich für einen Haushalt mit genau diesem Verbrauch bei Wechsel auf einen günstigen verfügbaren Tarif?

Er beantwortet nicht die Frage, was ein konkreter Haushalt spart. Dafür fehlen dem Modell alle individuellen Grössen: das Netzgebiet, der bestehende Vertrag, die Grundgebühr, die Restlaufzeit, die Frage, ob bereits ein Sondervertrag besteht oder die Grundversorgung greift. Vier Aussagen sind aus den Zahlen deshalb nicht ableitbar:

  • dass jeder Haushalt spart,
  • dass ein Haushalt genau 95 oder 360 Euro spart,
  • dass ein bestimmter Betrag zusteht oder ausgezahlt wird,
  • dass ein bestimmter Anbieter oder Tarif der beste ist.

Warum in den Zahlen kein einzelner Haushalt vorkommt

Zwei Haushalte mit identischem Verbrauch können völlig unterschiedliche Ausgangslagen haben. Der eine hat vor zwei Monaten gewechselt und zahlt bereits einen wettbewerbsfähigen Arbeitspreis; für ihn liegt das reale Einsparpotenzial nahe null. Der andere ist seit fünf Jahren im selben Vertrag, ohne Preisgarantie, mit einem Arbeitspreis deutlich über dem Modellwert; für ihn kann die Differenz erheblich über dem Durchschnitt liegen.

Beide sind in denselben 280 Millionen Euro enthalten — der eine mit fast nichts, der andere mit viel. Der Durchschnitt beschreibt keinen von beiden. Deshalb bleibt der einzige belastbare Weg zur eigenen Zahl der Vergleich der eigenen Jahresabrechnung mit aktuellen Angeboten für die eigene Postleitzahl.

Wofür die Zahlen tatsächlich taugen

Trotz dieser Einschränkungen sind die Angaben nützlich — als Grössenordnung und als Zeitreihe. Drei Dinge lassen sich aus ihnen ablesen:

  • Die Richtung der Preise. Modellierte Neukundenpreise lagen im Januar 2026 bei Strom rund 7 Prozent und bei Gas rund 13 Prozent unter dem Vorjahreswert.
  • Die Grössenordnung der Unterschiede. Tarifdifferenzen bewegen sich in einem Bereich, der für ein Haushaltsbudget spürbar sein kann — nicht in einem Bereich von wenigen Euro.
  • Die Verbreitung des Wechselns. Mit 6,7 Millionen Stromwechseln ist der Anbieterwechsel ein alltäglicher Vorgang, kein Sonderfall.

Der grössere Nutzen liegt in der Zeitreihe

Ein einzelner Modellwert ist eine Momentaufnahme. Interessanter wird er, wenn man ihn neben den Vorjahreswert legt — genau das liefert die Veröffentlichung mit den Prozentangaben mit.

Rückrechnung der modellierten Neukundenpreise auf den Vorjahreswert
SparteModell Januar 2026VeränderungRechnerisch Vorjahr
Strom34,9 ct/kWhrund −7 %rund 37,5 ct/kWh
Gas9,6 ct/kWhrund −13 %rund 11,0 ct/kWh

Die rechte Spalte ist eine reine Rückrechnung aus den genannten Prozentangaben, keine eigenständig veröffentlichte Zahl. Sie zeigt aber die praktisch relevante Konsequenz: Ein Vertrag, der Anfang 2025 zu marktüblichen Konditionen abgeschlossen wurde, liegt beim Arbeitspreis heute rechnerisch über dem aktuellen Modellwert — bei Gas deutlicher als bei Strom.

Damit ergibt sich ein brauchbarer Anhaltspunkt für die Frage, für wen ein Vergleich am ehesten lohnt: für Haushalte, deren Vertrag aus einer Phase höherer Preise stammt und seither unverändert läuft. Für Haushalte, die zuletzt gewechselt haben, ist der Abstand naturgemäss kleiner.

Einordnung

Die Zahlen der Bundesnetzagentur sind Hintergrund, kein Werbeversprechen. Ein Titel wie „360 Euro sparen“ wäre schon deshalb unzutreffend, weil die Zahl ein Modellwert für einen bestimmten Gasverbrauch ist — und nicht der Betrag, den ein beliebiger Haushalt erhält.

Richtig gelesen sagen sie etwas Bescheideneres, aber Belastbares: Tarifunterschiede können wirtschaftlich relevant sein, und ein Vergleich kann sich lohnen. Wie viel er im eigenen Fall bringt — oder ob er bestätigt, dass der bestehende Vertrag bereits gut ist — zeigt erst die eigene Rechnung.

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EINORDNUNG

Allgemeine Verbraucherinformation — keine individuelle Energieberatung und keine Empfehlung für einen bestimmten Anbieter. Genannte Beträge sind Modellwerte oder Rechenbeispiele, keine Zusage für einen einzelnen Haushalt: Ob sich ein Wechsel lohnt, hängt unter anderem von Wohnort, Verbrauch, Grund- und Arbeitspreis, Laufzeit und Preisgarantie ab. Vor einem Vertragsabschluss die aktuellen Bedingungen beim Anbieter prüfen.

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