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DAVID PARMLEY
Energie / Haushalt / Verträge / Markt
Wochenblatt
BLATT 212 / VERTRÄGE REDAKTION / 22.08.2026 / LESEZEIT 5 MIN

Der Bonus im ersten Jahr und die Rechnung im zweiten

Ein Neukundenbonus senkt die Kosten des ersten Vertragsjahres — einmalig. Der Arbeitspreis, der danach übrig bleibt, entscheidet über alle weiteren Jahre. Beide Zahlen gehören in denselben Vergleich.

Verbraucherin liest zuhause auf dem Sofa die Vertragsbedingungen eines Energietarifs
ABB. 1 / VERTRÄGE — SYMBOLBILD

Wie ein Bonus in der Ergebnisliste wirkt

Vergleichsportale zeigen standardmässig die Kosten des ersten Vertragsjahres. In dieser Zahl steckt bei Bonus-Tarifen ein einmaliger Abzug: der Neukunden- oder Sofortbonus. Ein Tarif mit hohem Arbeitspreis und hohem Bonus kann dadurch weiter oben stehen als ein Tarif mit niedrigem Arbeitspreis ohne Bonus — obwohl er ab dem zweiten Jahr teurer ist.

Die Verbraucherzentrale weist ausdrücklich darauf hin, dass viele Strom- und Gastarife mit Bonus im ersten Jahr besonders günstig wirken und im zweiten Jahr deutlich teurer sein können. Der Bonus ist damit kein Fehler im System, sondern ein legitimes Marketinginstrument — er verschiebt lediglich die Aussagekraft der ersten Zahl.

Warum zwei Zahlen gebraucht werden

Ein belastbarer Vergleich enthält deshalb nicht eine, sondern zwei Grössen:

  • Die Kosten im ersten Vertragsjahr — inklusive aller einmaligen Vergünstigungen.
  • Die Kosten ab dem zweiten Vertragsjahr — also Grundpreis plus Arbeitspreis, ohne Bonus.

Welche der beiden Zahlen wichtiger ist, hängt vom eigenen Verhalten ab. Wer ohnehin jedes Jahr vergleicht und gegebenenfalls wechselt, für den zählt vor allem das erste Jahr. Wer einen Vertrag abschliesst und ihn dann laufen lässt, für den zählt vor allem das zweite. Die zweite Gruppe ist die grössere — und für sie ist der Bonus der irreführendere Teil der Ergebnisliste.

Dieselben zwei Tarife über zwei Jahre

Das folgende Rechenbeispiel arbeitet mit frei gewählten Annahmen und dient allein der Veranschaulichung. Angenommen ist ein Stromverbrauch von 3.500 kWh im Jahr:

Rechenbeispiel: zwei Tarife über zwei Jahre bei 3.500 kWh
PositionTarif mit BonusTarif ohne Bonus
Arbeitspreis36,0 ct/kWh33,0 ct/kWh
Grundpreis pro Jahr144,00 €132,00 €
Regulärer Jahrespreis1.404,00 €1.287,00 €
Einmaliger Bonus−180,00 €0,00 €
Kosten im ersten Jahr1.224,00 €1.287,00 €
Kosten im zweiten Jahr1.404,00 €1.287,00 €
Summe über zwei Jahre2.628,00 €2.574,00 €

Im ersten Jahr liegt der Bonus-Tarif 63 Euro vorn. Über zwei Jahre gerechnet liegt der Tarif ohne Bonus 54 Euro vorn. Beide Ergebnisse sind korrekt — sie beantworten nur unterschiedliche Fragen. Die Zahlen sind frei gewählt; reale Tarife können in beide Richtungen abweichen.

Die Bedingungen entscheiden, ob der Bonus überhaupt kommt

Ein Bonus ist an Voraussetzungen geknüpft, die sich zwischen Anbietern erheblich unterscheiden. Diese sieben Fragen klären, was tatsächlich vereinbart ist:

  • Wie hoch ist der Grundpreis, wie hoch der Arbeitspreis?
  • Was kostet der Tarif ohne Bonus?
  • Wann wird der Bonus ausgezahlt oder verrechnet?
  • Muss ein volles Belieferungsjahr erfüllt sein?
  • Wird der Bonus bei vorzeitiger Kündigung anteilig gekürzt oder ganz gestrichen?
  • Hängt die Höhe am tatsächlichen Verbrauch oder am prognostizierten?
  • Was kostet das zweite Vertragsjahr zum dann gültigen Preis?

Besonders relevant ist die vierte Frage. Ein Bonus, der ein volles Belieferungsjahr voraussetzt, ist erst nach zwölf Monaten sicher — und damit genau in dem Moment fällig, in dem der Tarif auf den regulären Preis umstellt. Wer vorher wechselt, verliert ihn unter Umständen vollständig.

Den Bonus beim Vergleich zunächst ausblenden

Die Verbraucherzentrale empfiehlt, Tarife zunächst ohne Bonus zu vergleichen. Die meisten Vergleichsportale bieten dafür einen Filter. Der Effekt ist unmittelbar: Die Reihenfolge der Ergebnisliste ändert sich, weil nun der reguläre Tarifpreis sortiert — also genau die Grösse, die ab dem 13. Monat gilt.

Anschliessend lässt sich der Bonus wieder einblenden. Steht derselbe Tarif in beiden Listen weit oben, ist er in beiden Zeiträumen konkurrenzfähig. Springt ein Tarif nur mit Bonus nach vorn, ist klar, woher der Vorsprung kommt.

Wann ein Bonus-Tarif trotzdem passt

Ein Bonus ist kein Warnsignal. Er kann attraktiv, legitim und wirtschaftlich sinnvoll sein — er sollte den eigentlichen Tarifpreis nur nicht verdecken. Sinnvoll ist er vor allem dann, wenn drei Bedingungen zusammenkommen:

  • Der reguläre Arbeitspreis ist auch ohne Bonus konkurrenzfähig.
  • Die Bonusbedingungen sind klar formuliert und an ein erfüllbares Belieferungsjahr geknüpft.
  • Es besteht die Absicht, nach Ablauf des ersten Jahres erneut zu vergleichen — und dann bewusst zu entscheiden.

Problematisch wird es, wenn die vermeintliche Ersparnis ausschliesslich aus dem Bonus stammt und der Vertrag anschliessend unbeachtet weiterläuft. Dann kehrt sich der Vorteil des ersten Jahres in den Folgejahren um.

Sofortbonus, Neukundenbonus, Treuebonus

Der Sammelbegriff „Bonus“ verdeckt, dass es sich um recht unterschiedliche Zusagen handelt. Für die Frage, wie verlässlich der Abzug in der Ergebnisliste ist, macht die Art einen erheblichen Unterschied:

Übliche Bonusarten und ihre Auszahlungslogik
Bezeichnung (üblich)ZeitpunktTypische Bedingung
Sofortbonusmeist in den ersten Wochen oder MonatenBeginn der Belieferung, teils Mindestverbrauch
Neukundenbonusnach dem ersten Belieferungsjahrununterbrochene Belieferung über zwölf Monate
Treuebonusnach Ablauf eines weiteren JahresFortsetzung des Vertrags über die Mindestlaufzeit hinaus

Der Sofortbonus ist der planbarste, weil er früh und mit wenigen Bedingungen fliesst. Der Neukundenbonus ist die häufigste Variante — und diejenige, die ein volles Jahr Bindung voraussetzt. Der Treuebonus wirkt erst in einem Zeitraum, in dem der reguläre Arbeitspreis längst gilt; er kann eine Verlängerung attraktiver machen, ersetzt aber keinen konkurrenzfähigen Grundpreis.

In jedem Fall gilt: Ein Bonus, der erst nach zwölf Monaten fällig wird, ist im ersten Vertragsjahr eine Zusage, keine Zahlung. In der Ergebnisliste erscheint er trotzdem sofort als Abzug.

Einordnung

Der grösste Bonus ist nicht automatisch das beste Angebot, und ein Tarif ohne Bonus ist nicht automatisch das schlechtere. Entscheidend ist, welche Frage beantwortet werden soll: die nach den Kosten der nächsten zwölf Monate oder die nach den Kosten der nächsten drei Jahre.

Wer die Antwort auf beide Fragen nebeneinanderlegt, trifft die Entscheidung mit vollständiger Information — unabhängig davon, wie die Ergebnisliste sortiert war. Wie sich eine Preisgarantie in dieselbe Rechnung einfügt, steht im Blatt Was eine Preisgarantie tatsächlich absichert.

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EINORDNUNG

Allgemeine Verbraucherinformation — keine individuelle Energieberatung und keine Empfehlung für einen bestimmten Anbieter. Genannte Beträge sind Modellwerte oder Rechenbeispiele, keine Zusage für einen einzelnen Haushalt: Ob sich ein Wechsel lohnt, hängt unter anderem von Wohnort, Verbrauch, Grund- und Arbeitspreis, Laufzeit und Preisgarantie ab. Vor einem Vertragsabschluss die aktuellen Bedingungen beim Anbieter prüfen.

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