Welche laufenden Kosten sich einmal im Jahr prüfen lassen
Die meisten Haushaltskosten laufen automatisch weiter — abgebucht, verlängert, angepasst. Ein Termin im Jahr genügt, um sie alle einmal nebeneinanderzulegen. Diese Übersicht sagt, welche Zeilen dazugehören.
Warum einmal im Jahr der richtige Rhythmus ist
Laufende Kosten haben eine Eigenschaft, die sie von einmaligen Ausgaben unterscheidet: Sie brauchen keine Entscheidung, um weiterzulaufen. Der Abschlag wird eingezogen, der Vertrag verlängert sich, der Beitrag wird angepasst — und nichts davon erfordert eine Handlung.
Deshalb entsteht der eigentliche Schaden selten in einem einzelnen teuren Monat. Er entsteht durch einen ungünstigen Vertrag, der jahrelang unbeachtet weiterläuft. Ein jährlicher Termin unterbricht genau diesen Mechanismus — nicht, weil sich jedes Jahr etwas ändern müsste, sondern weil die Frage einmal gestellt wird.
Was auf die Liste gehört
Erfasst werden alle regelmässig wiederkehrenden Zahlungen. Die Reihenfolge in der folgenden Übersicht folgt grob der üblichen Grössenordnung im Haushaltsbudget — nicht der Dringlichkeit:
| Position | Worauf zu achten ist |
|---|---|
| Strom | Jahresverbrauch, Arbeitspreis, Grundpreis, Laufzeit, Preisgarantie |
| Gas oder Wärme | dieselben Angaben, meist mit deutlich höherem Verbrauch |
| Mobilfunk | Datenvolumen gegen tatsächliche Nutzung, Vertragsende |
| Internet und Festnetz | Bandbreite, Preis nach Ablauf der Aktionsphase |
| Versicherungen | Deckungssummen, Selbstbeteiligung, Beitragsanpassungen |
| Abonnements | tatsächliche Nutzung, automatische Verlängerung |
| Bank und Zahlungsverkehr | Kontoführung, Kartengebühren, Bedingungen für Gebührenfreiheit |
Die Liste ist bewusst kurz gehalten. Wer sie um jede Kleinigkeit erweitert, verliert den Überblick — und damit den Nutzen des Termins.
In welcher Reihenfolge geprüft wird
Nicht jede Position verdient gleich viel Zeit. Zwei Kriterien helfen bei der Priorisierung:
- Wie hoch ist der Jahresbetrag? Eine Position mit 1.400 Euro im Jahr verdient mehr Aufmerksamkeit als eine mit 90 Euro — selbst wenn bei der kleineren prozentual mehr zu holen wäre.
- Wann läuft der Vertrag aus? Eine Position, deren Kündigungsfrist in sechs Wochen endet, ist dringend. Eine mit achtzehn Monaten Restlaufzeit kann warten.
Aus beidem ergibt sich in fast jedem Haushalt dieselbe Rangfolge: zuerst Energie, dann Versicherungen, dann Telekommunikation, zuletzt Abonnements.
Warum Energie zuerst kommt
Strom und Gas stehen aus zwei Gründen oben. Erstens ist der absolute Betrag hoch — bei Gas häufig der grösste laufende Posten neben der Miete. Zweitens ist die Vergleichbarkeit besser als bei fast jeder anderen Position: Es handelt sich um ein völlig identisches Produkt, das sich ausschliesslich im Preis und in den Vertragsbedingungen unterscheidet.
Für den Energieteil des Checks genügen die Angaben der letzten Jahresabrechnung. Welche das sind, steht im Blatt Was auf der Jahresabrechnung wirklich zählt; die Rechenlogik dahinter im Blatt Wie sich ein Cent pro Kilowattstunde über ein Jahr summiert.
Die Bundesnetzagentur veröffentlichte für Januar 2026 modellierte Neukundenpreise von 34,9 Cent je Kilowattstunde bei Strom und 9,6 Cent bei Gas sowie durchschnittliche Einsparpotenziale von rund 95 Euro bei 3.500 kWh Strom und rund 360 Euro bei 20.000 kWh Gas. Diese Werte sind Modellwerte für bestimmte Verbrauchsannahmen und keine Zusage für einen einzelnen Haushalt — als Grössenordnung taugen sie aber, um einzuschätzen, ob sich der Aufwand lohnt. Eingeordnet sind sie im Blatt Was die Zahlen der Bundesnetzagentur für 2026 zeigen.
Wann der Termin sinnvoll liegt
Ein fester Kalendertermin funktioniert besser als ein guter Vorsatz. Praktisch bewährt haben sich vier Anlässe:
- Wenn die Jahresabrechnung kommt. Dann liegen die entscheidenden Zahlen ohnehin vor.
- Rund zwei Monate vor einem Vertragsende — früh genug für die Kündigungsfrist.
- Nach einer angekündigten Preiserhöhung, die häufig ein Sonderkündigungsrecht auslöst.
- Nach einer grösseren Veränderung im Haushalt — Umzug, Personenzahl, neue Geräte.
Wer nur einen einzigen Termin setzen will, nimmt am besten den Monat, in dem die Energieabrechnung eintrifft. Er liefert die Zahlen, die für den grössten Posten gebraucht werden — und ist damit ein natürlicher Anker.
Ein Protokoll, das den Aufwand im nächsten Jahr halbiert
- Anbieter und Tarifbezeichnung
- Jahresbetrag im abgelaufenen Jahr
- Vertragsende und Kündigungsfrist
- Datum der letzten Prüfung
- Ergebnis: unverändert, geändert, oder erneut prüfen ab welchem Datum
Fünf Zeilen je Position. Im Folgejahr steht damit bereits fest, was zuletzt geprüft wurde, was sich verändert hat und welche Frist als Nächstes läuft.
Wie viel Zeit der Check realistisch braucht
Der häufigste Grund, warum ein Jahres-Check nicht stattfindet, ist nicht mangelndes Interesse, sondern eine diffuse Vorstellung vom Aufwand. Aufgeschlüsselt fällt er überschaubar aus:
| Schritt | Ungefährer Aufwand |
|---|---|
| Unterlagen zusammensuchen, Zahlen notieren | 30 Minuten |
| Energie vergleichen, Bonus ausgeblendet | 30 Minuten |
| Vertragsbedingungen des besten Angebots lesen | 20 Minuten |
| Übrige Positionen grob prüfen | 30 Minuten |
| Gesamt | rund 2 Stunden im Jahr |
Im zweiten Jahr sinkt der Aufwand deutlich, weil das Protokoll aus dem Vorjahr vorliegt: Anbieter, Beträge und Fristen müssen dann nicht neu zusammengetragen, sondern nur fortgeschrieben werden.
Wer die zwei Stunden nicht am Stück aufbringen will, kann den Check aufteilen — Energie zuerst, weil dort die grössten Beträge liegen, der Rest bei Gelegenheit. Wichtig ist allein, dass die Fristen notiert werden: Sie sind der einzige Teil, der sich nicht nachholen lässt.
Einordnung
Ein Jahres-Check ist keine Sparaktion, sondern eine Bestandsaufnahme. Bei manchen Positionen wird er zu einer Änderung führen, bei den meisten nicht. Beides ist ein Ergebnis — die Feststellung, dass ein Vertrag weiterhin konkurrenzfähig ist, hat denselben Wert wie ein Wechsel.
Der eigentliche Gewinn liegt darin, dass die Frage überhaupt gestellt wird. Genau das unterscheidet einen bewusst behaltenen Vertrag von einem, der einfach weiterläuft. Wie sich dieser Gedanke auf Strom und Gas anwenden lässt, steht im Blatt Wie Haushalte jedes Jahr mehr Geld übrig behalten.